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Markus Meckel im Gespräch mit Studierenden


Im Rahmen des kirchengeschichtlichen Hauptseminars „Kirche in zwei Diktaturen“ durften die Studierenden am 4. Februar 2026 einen besonderen Gast und Zeitzeugen begrüßen, den Theologen, Politiker und Außenminister a.D. Markus Meckel.

Schon in den 1970er Jahren bewegte er sich in oppositionellen Netzwerken. 1989 zählte er zu den Initiatoren der Sozialdemokratischen Partei in der DDR. Nach der ersten freien Volkskammerwahl 1990 zog er ins Parlament ein und übernahm von April bis August das Amt des DDR Außenministers. Anschließend gehörte er von 1990 bis 2009 dem Deutschen Bundestag an.

Im Zentrum des Gesprächs stand eine Beobachtung Meckels, die bewusst gegen routinierte Jubiläumserzählungen gerichtet war. Meckel gab zu bedencken, dass das gängige Erinnerungsnarrativ, die Ostdeutschen zu Empfängern einer Wohltat zu machen, historisch schief sei. Ostdeutsche seien nicht Objekt, sondern Subjekt gewesen. Zuerst habe die Friedliche Revolution die Dynamik geöffnet. Danach habe eine demokratisch legitimierte DDR Regierung die deutsche Einheit mitverhandelt.

Ausgehend von dieser Perspektive diskutierten die Studierenden unter der Leitung von PD Dr. Roland M. Lehmann die kirchlichen Graubereiche zwischen Anpassung und verdeckter Kritik ebenso wie die Vielfalt oppositioneller Bewegungen jenseits der bekannten Leipziger Montagsdemonstrationen. Kontrovers blieb die Frage, ob Begriffe wie „Stunde Null“ die Asymmetrien der Vereinigung verdecken.

Die lebhafte Beteiligung der Studierenden zeigte, dass kirchenhistorisches Arbeiten keine museale Tätigkeit ist, sondern Gegenwartsarbeit. Wer sich der DDR-Kirchengeschichte stellt, schärft den Sinn für die Zerbrechlichkeit demokratischer Freiheiten und für die Verantwortung, die daraus folgt.


Gespräch mit Meckel 2026