Risiken und Anleitung für sicheres Handeln in einem internationalen Kontext
Der folgende Inhalt listet mögliche Risiken in der internationalen Zusammenarbeit auf und gibt Tipps, wie diese Risiken minimiert werden können und wie insbesondere Universitätsmitglieder in Führungs- und Leitungsfunktionen gut damit umgehen können. Ziel ist es, die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern und eine sichere Grundlage für alle Beteiligten zu schaffen.
Bestehende Risiken- Bei Verstößen gegen Exportkontrollverordnungen oder das Nagoya-Protokolls (ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der den Zugang zu den sog. genetischen Ressourcen sowie deren Nutzung (Forschung) und einen damit verbundenen gerechten Vorteilsausgleich gegenüber dem Geberland regelt), sind - auch bei Unkenntnis - Forschende persönlich verantwortlich und haftbar. Insbesondere bei: Anwendung und weiterer Verarbeitung von Forschungsergebnissen (i) für militärische oder industriemilitärische Zwecke, oder für die Entwicklung von Technologien, die für militärische Offensivzwecke verwendet werden können; (ii) für Zwecke, die Menschenrechte verletzen; (iii) für Zwecke, die EU-Sanktionen umgehen.
- Datenleak oder wissenschaftliche Spionage, insbesondere: (i) Missbrauch von sensiblen persönlichen, universitären oder Forschungsdaten, z.B. durch Aneignung dieser Daten für ideologische Zwecke; (ii) Diebstahl von Forschungsergebnissen oder geistigem Eigentum, einschließlich der unautorisierten Veröffentlichung oder Verwendung von Forschungsergebnissen, Daten oder anderen Materialien (z.B. Lehrmaterialien), ohne angemessene Kreditierung oder Genehmigung; (iii) Cyberangriffe, die Datendiebstahl, Erpressung und Ransomware umfassen; (iv) Erpressung, die durch die Kompromittierung vertraulicher Information oder persönlicher Abhängigkeiten entsteht.
- Verstoß gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung.
- Risiken für Forschende, Lehrende und Studierende, die an der Zusammenarbeit beteiligt sind, wie z.B. durch Diskriminierung, Belästigung und Gewalt im digitalen Raum und vor Ort.
Risiken in der internationalen Forschungs- und Lehrkooperation:
- Halten Sie die Exportkontrollverordnungen und das Nagoya-Protokolls. Insbesondere: (i) Bestimmung und Festlegung, dass die Forschungsergebnisse nicht zu industriellen und militärischen Entwicklungen beitragen, für militärische Offensivzwecke verwendet werden oder für Zwecke von die Menschenrechtsverletzung verwendet werden, in Form einer schriftlichen Vereinbarung die beide Partner*innen unterschreiben. (ii) Prüfung von Kooperationsanfragen hinsichtlich der EU-Sanktionsliste.
- Seien Sie sich der Anforderungen von Drittmittelgebern bewusst, die Ihr Projekt finanzieren.
- Überprüfen Sie den Akademischen Freiheitsindex des Landes in das Sie reisen werden. Handelt es sich um ein Land mit einem niedrigen Akademischen Freiheitsindex, informieren Sie sich über die Grenzen der Meinungsfreiheit eines Landes und halten Sie sich an diese Grenzen, z.B. indem Sie nicht an Demonstrationen teilnehmen oder Erklärungen unterschreiben, während Sie sich in diesem Land aufhalten.
- Treffen Sie Vorkehrungen zum Schutz Ihrer unveröffentlichten Daten und Forschungsergebnisse: (i) Teilen Sie keine Forschungsdaten ohne eine formelle Vereinbarung, insbesondere zur Klärung von Lizenzfragen. (ii) Teilen Sie nur Daten, die für Ihre Zusammenarbeit notwendig sind. (iii) Teilen Sie Daten nur über sichere Kanäle. In Fragen zum sicheren Forschungsdatenmanagement können Sie sich an die eResearch Alliance und in Fragen zu Angeboten der GWDG an deren Support wenden.
- Überlegen Sie, ob in einem neuen internationalen Projekt ein Risiko der Aneignung von Forschungsergebnissen für ideologische Zwecke besteht.
- Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Preise, Honorationen, Medaillen oder andere Auszeichnungen annehmen, da diese verwendet werden können, um Sie zu kooptieren. Überprüfen Sie die Reputation der verleihenden Einrichtung.
- Bei Fragen wenden Sie sich an Göttingen International (Kontaktinformationen unten). Auch das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) und die DAAD-Büros im Ausland sind wichtige Informationsquellen.
Risiken in der internationalen Forschungs- und Lehrkooperation:
Universitätsangehörige und -mitglieder in Führungspositionen haben zusätzliche Verantwortlichkeiten gegenüber ihrem Team, ebenso wie Personen, die Exkursionen leiten:
- Sorgen Sie für eine Anleitung Ihrer Mitarbeitenden und Studierenden, sowie individuell angepasste technische Unterstützung zu Daten- und digitaler Sicherheit, um den Diebstahl von Daten und Überwachungsrisiken zu vermeiden.
- Erstellen Sie ein Notfallverfahren, um mit Fällen von Belästigung, Inhaftierung oder Verschwinden umzugehen.
- Stellen Sie ein Bewusstsein unter Ihren Studierenden und Mitarbeitenden dafür her, wie repressive Umgebungen das akademische Freiheitsrecht beeinflussen können, und setzen Sie Standards innerhalb Ihres Teams, wenn Sie mit Partnern in Ländern mit eingeschränkter akademischer Freiheit zusammenarbeiten.
Auch der DAAD hat sich mit der "veränderten geopolitischen Lage" auseinandergesetzt, bzw. mit der "Frage, wie der Umgang mit potenziellen Risiken so gestaltet werden kann, dass gleichzeitig die wissenschafliche Freiheit gesichert werden kann und die Chancen internationaler Zusammenarbeit genutzt werden können". Das Kompetenzzentrum Internationale Wissenschafskooperationen (KIWi) des DAAD hat mit der KIWiCheckliste Wissenssicherheit ein "Selbsteinschätzungstool zu sicherheitsrelevanten Dimensionen internationaler Wissenschaftskooperationen" entwickelt, das frei genutzt werden kann.
Bei Fragen wenden Sie sich an: international@uni-goettingen.de